Winterbach

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Ein Dorf im nördlichen Saarland, das heute ein Stadtteil von St. Wendel ist.

Gemeindewappen
Westlich von St. Wendel, gut eine Stunde zu fuß in Richtung Schaumberg, aber nicht im Tal der Blies, liegt Winterbach am östlichen Fuße der Anhöhe, über die die sogenannte Rheinstraße führt, eine alte Römerstraße von Straßburg nach Trier.

Im Schutze eines Waldgürtels, der die Winde aus dem Westen und dem Südwesten, wo der Regen herkommt, besänftigt, liegt der Ort, preisgegeben den stark pulsierenden Verkehrsadern im nördlichen Saarland, der Bundesstraßs B 269 von Tholey kommend nach St. Wendel führt, und die Landstraße 1. Ordnung L133 von Marpingen her, in Alsweiler von der B 269 unterbrochen wird, dann in Winterbach wieder nach Bliesen abzeigt.

Die reizvolle, sanfthügelige Tallage des Dorfes zusammen mit der Nähe zur Kreisstadt St. Wendel hat Winterbach zu einem begehrten Wohnort gemacht. Weniger bäuerlich geprägt als manche Nachbardörfer - die Gemarkung ist klein, es gab nie viele großbäuerliche Betriebe - zeichnet sich Winterbach durch überwiegend breite Strassen mit vielen freien Flächen vor den Häusern aus. Und da, wo früher der Kuhwagen stand und der Misthaufen war, sind heute Vorgärten und Freiplätze. Die Scheunen wurden größtenteils zu Garagen und Wohnräumen umgebaut. Um so lobenswerter, dass es ein Bemühen gibt, den derzeitigen Bestand an bäuerlichen Anwesen, zu erhalten und zu restaurieren.

Winterbach war nie ein Zentrum von irgend etwas, weder kirchlich, wo Winterbach bis zum Bau einer eigenen Kirche ganz nach Alsweiler orientiert war, noch politisch oder wirtschaftlich. Dennoch nahm es den gleichen Aufschwung wie alle anderen Ortschaften, zeigte sich dabei gelassen und ohne falschen Ehrgeiz. Es machte den Winterbachern auch nichts aus, dass sie lange Zeit ihr eigenes Wasser aus der Winterbacher Wurzelbach vom “Wasserzweckverband Alsweiler" bekamen. Hauptsache, das Wasser war gut und reichlich.

Vielleicht ist diese Einstellung kennzeichnend für die Mentalität der Winterbacher, die sich auch - wie kaum ein anderer Ort - der Vereinnahmung durch die Kreisstadt St. Wendel als Folge der Gebiets- und Verwaltungsreform von 1973 gebeugt haben, ohne dabei ihre Eigenständigkeit aufzugeben. Was solls, Name ist Schall und Rauch, ein Winterbacher bleibt ein Winterbacher, und ist ein bisschen stolz darauf. Wenn er weg muss aus Winterbach, gut, dann geht er eben. Winterbach ist nicht die Welt, aber es liegt sehr nahe daran.

Der Name Winterbach

Wo der Name Winterbach herkommt, ist überwiegend Spekulation. Sicher aber nicht von einem einzigen Bach dieses Namens, der nur im Winter floss, den müsste es auch heute noch geben, aber es gibt ihn nicht, den "Winterbach". Nachfragen bei den Gemeinden mit gleichem Namen bestätigen allerdings alle einen Zusammenhang zwischen örtlichen Bachläufen und der Jahreszeit Winter. Man muss also davon ausgehen, dass das Doppelwort Winterbach sich tatsächlich aus dem Wort "Winter" als Jahreszeit und nicht etwa als abgewandeltes Wort aus dem Lateinischen z. B. "Venatio" = die Jagd sowie einem dazu passenden Wasserlauf ergibt.

Da ein Wasserlauf, auf den diese Bezeichnung zutreffend wäre, im hiesigen Winterbach nicht auffindbar ist, so kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, dass es sich gar nicht um einen bestimmten Wasserlauf handelt, sondern vielmehr um die Summe der vier Wasserläufe, die sich alle, von den Osthängen im Westen des Ortes kommend, im östlichen Wiesental "Auf dem Hahn" (Wellwies) vereinigen. Diese sowieso im Ortsbereich und dahinter relativ flach fliessenden vier Wasserläufe hatten im Bereich der "Hofwiese" ("Mittlerer Weiher", "Kleiner Weiher, "Weihertriesch"), also an der Wasserpforte.

Wie die Winterbacher sind

An der Kirmes im Jahre 1959 nahm erstmals ein "Jahrgang", der Jahrgang 1938, als Straußbuben die Gestaltung der Kirmes in die Hand. An der Gestaltung hat sich seither wenig geändert. Ein Feuerwerk am Sonntagabend ist Ende der sechziger Jahre hinzugekommen. Seit 1959 wird samstags von den Straußbuben die Kirmes feierlich ausgegraben und mit einem jährlich wechselnden Kirmessymbol durch den Ort gezogen (mittlerweile mittels Traktor). Am Sonntag wird auf dem Kirmesplatz (an der Mehrzweckhalle) die Straußrede verlesen. Abends folgt ein Feuerwerk und montags findet meist ein Fußballspiel statt gegen die Straußbuben des vorangegangenen Jahres. Natürlich um ein Fäßchen Bier. Dienstags folgt dann die Beerdigung der Kirmes.

Nachtragen muß man noch, daß sich seit einigen Jahren die Mädchen des jeweiligen Jahrgangs den Buben anschließen. Ich möchte noch einmal auf den Brauch des " Hammeltanzes" zurückkommen, denn viele junge Leute kennen wahrscheinlich nicht einmal mehr den Namen, viel weniger den Vorgang. Junge, unverheiratete Paare trafen sich am Montagnachmittag zu einem kleinen Umzug mit Musik durchs Dorf, um sich anschließend im Wiesengelände "Auf dem Hahn" (später auch auf dem Schulhof) paarweise im Kreis aufzustellen. Der Marsch begann und ein Paar gab den Hammel (manchmal auch Ziege, oder Kirmesstrauß) an das nachfolgende Paar weiter. Das ging so lange, bis ein versteckter, aufgezogener Wecker plötzlich läutete. Das Paar, das dann den "Hammel" hatte, mußte ein Fäßchen Bier spendieren und manchmal soll auch der Hammel geschlachtet worden sein. Nicht selten wurde das Paar "mit dem Hammel" noch im selben Jahr ein Ehepaar. Dafür hatte der Zufall schon gesorgt.

Ein weiterer Brauch, der früher nicht ausgelassen wurde, war das sogenannte "Schall­warie" (Winterbacher Sprechweise, anderswo auch Schariwarie genannt). Am Vor­abend einer Hochzeit, bei der einer der beiden Partner schon einmal verheiratet war, trafen sich die Nachbarn und Bekannte der Brautleute (und andere), um mit viel Blech, Geschirr und anderem Gerümpel einen Höllenlärm zu veranstalten, solange, bis das Brautpaar ein Fäßchen Bier spendierte, was oft stundenlang dauerte. Ähnlich, aller­dings mit anderen Voraussetzungen, wird heute ja Polterabend gefeiert.

Aber gelegentlich soll es auch heute noch das echte "Schallwarie" (Betonung auf "wa") geben, allerdings nicht bei Geschiedenen.

Natürlich haben die Winterbacher auch ihren "Schiefnamen" (Schimpfnamen) bei den Nachbardörfern, so wie diese auch bei den Winterbachern ihren Namen haben. "Käsfresser” das ist der Name, mit dem die Winterbacher bedacht wurden. Die Deutung ist nicht schwer, denn was der Name sagt, das waren und sind die Winterbacher - zumindest die Waschechten - noch heute, Käseesser, angefangen von der gewöhnlichen "Kässchmier" (weißer Käse, Quark) bis zu den edelsten Sorten nicht nur aus deutschen Landen. Kaum anzunehmen, daß in den zwanziger Jahren das beste Feinkostgeschäft in der Stadt St. Wendel eine viel größere Käseauswahl hatte, als das Kolonialwarengeschäft Nikolaus Klos, genannt "SchetzeNikla" (heute Gasthaus "Max und Moritz") . Kein Winterbacher wird es als Beleidigung empfinden, wenn er als"Käsfresser" tituliert wird, im Gegenteil, er fühlt sich als "Feinschmecker" richtig eingeschätzt.


(von Anton Wiesen)

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