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Heimatfreunde Winterbach

Dorfgeschichte

                                                                               

                                                Ein Dorf im nördlichen Saarland, das heute ein Stadtteil von St. Wendel ist.

                                                                                          (Von Anton Wiesen)

Westlich von St. Wendel, gut eine Stunde zu fuß in Richtung Schaumberg, aber nicht im Tal der Blies, liegt Winterbach am östlichen Fuße der Anhöhe, über die die sogenannte Rheinstraße führt, eine alte Römerstraße von Straßburg nach Trier.

Im Schutze eines Waldgürtels, der die Winde aus dem Westen und dem Südwesten, wo der Regen herkommt, besänftigt, liegt der Ort, preisgegeben den stark pulsierenden Verkehrsadern im nördlichen Saarland, der Bundesstraßs B 269 von  Tholey  kommend nach St. Wendel führt, und die Landstraße 1. Ordnung L133 von Marpingen her, in Alsweiler von der    B 269 unterbrochen wird, dann in Winterbach wieder nach Bliesen abzeigt.

Die reizvolle, sanfthügelige Tallage des Dorfes zusammen mit der Nähe zur Kreisstadt St. Wendel hat Winterbach zu einem begehrten Wohnort gemacht. Weniger bäuerlich geprägt als manche Nachbardörfer - die Gemarkung ist klein, es gab nie viele großbäuerliche Betriebe - zeichnet sich Winterbach durch überwiegend breite Strassen mit vielen freien Flächen vor den Häusern aus. Und da, wo früher der Kuhwagen stand und der Misthaufen war, sind heute Vorgärten und Freiplätze. Die Scheunen wurden größtenteils zu Garagen und Wohnräumen umgebaut. Um so lobenswerter, dass es ein Bemühen gibt, den derzeitigen Bestand an bäuerlichen Anwesen, zu erhalten und zu restaurieren.

Winterbach war nie ein Zentrum von irgend etwas, weder kirchlich, wo Winterbach bis zum Bau einer eigenen Kirche ganz nach Alsweiler orientiert war, noch politisch oder wirtschaftlich. Dennoch nahm es den gleichen Aufschwung wie alle anderen Ortschaften, zeigte sich dabei gelassen und ohne falschen Ehrgeiz. Es machte den Winterbachern auch nichts aus, dass sie lange Zeit ihr eigenes Wasser aus der Winterbacher Wurzelbach vom “Wasserzweckverband Alsweiler" bekamen. Hauptsache, das Wasser war gut und reichlich.

Vielleicht ist diese Einstellung kennzeichnend für die Mentalität der Winterbacher, die sich auch - wie kaum ein anderer Ort - der Vereinnahmung durch die Kreisstadt St. Wendel als Folge der Gebiets- und Verwaltungsreform von 1973 gebeugt haben, ohne dabei ihre Eigenständigkeit aufzugeben. Was solls, Name ist Schall und Rauch, ein Winterbacher bleibt ein Winterbacher, und ist ein bisschen stolz darauf. Wenn er weg muss aus Winterbach, gut, dann geht er eben. Winterbach ist nicht die Welt, aber es liegt sehr nahe daran.

Der Name Winterbach

Wo der Name Winterbach herkommt, ist überwiegend Spekulation. Sicher aber nicht von einem einzigen Bach dieses Namens, der nur im Winter floss, den müsste es auch heute noch geben, aber es gibt ihn nicht, den "Winterbach". Nachfragen bei den Gemeinden mit gleichem Namen bestätigen allerdings alle einen Zusammenhang zwischen örtlichen Bachläufen und der Jahreszeit Winter. Man muss also davon ausgehen, dass das Doppelwort Winterbach sich tatsächlich aus dem Wort "Winter" als Jahreszeit und nicht etwa als abgewandeltes Wort aus dem Lateinischen z. B. "Venatio" = die Jagd sowie einem dazu passenden Wasserlauf ergibt.

Da ein Wasserlauf, auf den diese Bezeichnung zutreffend wäre, im hiesigen Winterbach nicht auffindbar ist, so kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, dass es sich gar nicht um einen bestimmten Wasserlauf handelt, sondern vielmehr um die Summe der vier Wasserläufe, die sich alle, von den Osthängen im Westen des Ortes kommend, im östlichen Wiesental "Auf dem Hahn" (Wellwies) vereinigen. Diese sowieso im Ortsbereich und dahinter relativ flach fliessenden vier Wasserläufe hatten im Bereich der "Hofwiese" ("Mittlerer Weiher", "Kleiner Weiher, "Weihertriesch"), also an der Wasserpforte zwischen Steinberg und Hirzkuppe (Fuchswald), einen natürlichen Stau, der vor über 700 Jahren (so alt kann der Name Winterbach schon sein) viel stärker gewesen sein muß als heute. Viele Gewannenbezeichnungen und die Naßsteilen mit Schilfwuchs weisen darauf hin. So kann man annehmen, daß dieser Stau der vereinigten vier Wasserläufe im Winter bzw. als Folge des Winters eine einzige breite, fast seenhafte Wasserfläche in der ganzen Wiesenlage bis in die Ortslage hinein bildete, die insbesondere im Bereich der heutigen Anwesen Riefer (Schummersch) und Hans (Brennersch) einen Zustand herbeiführten, der z. B. die Überquerung im Winter bzw. in der Schneeschmelze so sehr erschwerte gegenüber den sommerlichen Verhältnissen, daß man schon von einem "Winter"-bach sprechen konnte, zumal man - aufgrund alten Kartenmaterials - weiß, daß auch die Ursprünge des heutigen Ortes in diesem Bereich, bis zum Hintereck hoch, liegen.

Wie gesagt, der Zusammenfluß der vier Wasserläufe aus der .Leyer-Hiernes", dem "Stockland", dem .Porstborre" und den .Fuchslöchern" (Worach), in denen sich die gesamte Schneeschmelze von der Höhe vor der Rheinstraße bis fast zum Heiligenberg sammelte, bewirkte den als "Winterbach" zu bezeichnenden jahreszeitbedingten Wasserstau. Eine andere Deutung  bietet sich mir - aufgrund vieler Nachforschungen - nicht mehr an.

 

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